AdA Unterweisungsentwurf – darf ich einen Ghostwriter engagieren?

Hallöli 😊

In meiner “Hilfe …”-Reihe teile ich regelmäßig Mails von Teilnehmern und Lesern, die spezielle Fragen haben. Heute erreichte mich hingegen eine Kooperationsanfrage, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat.

Eine Schreibagentur, die “Studierende bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt” fragte nach einem Linktausch. Falls du bereits meinen Artikel zu der Frage “AdA Unterweisung Muster – darf ich Vorlagen einfach verwenden?” gelesen hast, kannst du dir sicher vorstellen, dass die Mail ein ungutes Bauchgefühl hinterlassen hat. 🤪

Da ich mir vorstellen kann, dass es für manche verlockend erscheint, einen Ghostwriter damit zu beauftragen, den Unterweisungsentwurf zu schreiben, möchte ich das Thema noch mal aufgreifen.

⚠️ Ich gehe im Folgenden darauf ein, einen Unterweisungsentwurf bei einem Ghostwriter zu beauftragen und ihn Anschluss bei der Kammer als den eigenen auszugeben und abzugeben. Ich rede nicht davon, den Entwurf Korrektur lesen zu lassen oder Freunde/ ehemalige Prüflinge/ Dozenten um Rat zu bitten.

Was ist Ghostwriting?

Ganz vereinfacht gesagt handelt es sich hierbei um die auftragsmäßige Anfertigung von Texten/ Arbeiten gegen Entlohnung. Der Auftraggeber des Textes gibt sich als Autor aus, während der eigentliche Schreiber nicht benannt wird und im Normalfall gemäß Vertrag zum Schweigen verpflichtet ist.

Im Falle von Unterweisungsentwürfen würde das bedeuten, dass jemand einen Ghostwriter beauftragt, das Konzept für die AEVO-Prüfung zu schreiben. Der Entwurf wird bei der Kammer als das eigene geistige Eigentum ausgegeben und als Prüfungsleistung eingereicht.

Ist Ghostwriting strafbar?

Da die Frage nicht eindeutig ist, möchte ich sie differenzieren:

Macht sich der Ghostwriter strafbar?

Hierzu hat sich das Oberlandesgericht Frankfurt im Jahr 2009 bereits geäußert: Weder Ghostwriting, noch der Abschluss eines Vertrages darüber sind illegal. Es handelt sich hierbei um eine ganz normale Dienstleistung. 1

Aber: Das gilt nur solange wie vertraglich geregelt ist, dass diese Arbeiten lediglich als Vorlagen genutzt werden. Andernfalls machen sich der Ghostwriter mit strafbar – falls nachgewiesen wird, dass er wusste, dass die Arbeit ohne Änderungen weitergenutzt wird.

Zudem gilt das Auftrags-weisliche Erstellen von Hochschul-Abschlussarbeiten und Dissertationen gemäß einem Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf als illegal. 2

Macht sich der Auftraggeber von einem Ghostwriter strafbar?

Die reine Beauftragung eines Ghostwriters ist nicht strafbar, da es sich auch hierbei um eine Dienstleistung handelt.

Darf ich dann den Unterweisungsentwurf eines Ghostwriters als meinen eigenen ausgeben?

Nein.

Oder: kannst du machen – aber du musst dann auch mit den Konsequenzen leben.

Du darfst das Ganze in Auftrag geben – ja, weil es nur eine Dienstleistung ist und du mit dem Unterweisungskonzept auch dein Schlafzimmer tapezieren könntest. 😅

⚠️ In dem Moment, wo du den Entwurf aber als deinen eigenen ausgibst und damit die Kammer täuschst, sieht das ganze rechtlich anders aus.

Die Kammern dürfen Sanktionen aussprechen

Mit deiner Prüfungsanmeldung gehst du ganz vereinfacht gesagt einen Vertrag mit der Kammer ein. Ein Teil dieser Abmachung ist bei den meisten Kammern das Abgeben einer eidesstattlichen Versicherung. Meistens sieht das wie folgt aus:


Eidesstattliche Erklärung

Ich erkläre eidesstattlich, dass ich sowohl die Präsentation/ die Durchführung als auch das
nachfolgende Konzept dafür selbstständig erstellt habe.

______________ ____________________________________________

(Ort, Datum) (Unterschrift)


Wenn dir die Kammer nun nachweisen kann, dass der Entwurf nicht von dir stammt, kann das Konsequenzen nach sich ziehen. In Gesprächen mit meinen Ansprechpartnern bei IHK und HWK erfuhr ich von verschiedenen Fällen, bei denen die Teilnehmer mit dem Nichtbestehen der Prüfung sanktioniert wurden.

⚠️ Warum? Ganz einfach: Mit der Unterschrift dieses unscheinbaren Satzes dort oben gibst du einen Eid ab. Gibst du nun den Unterweisungsentwurf eines Anderen als deinen eigenen aus, handelt es sich hierbei um eine falsche Versicherung an Eides statt.3 Hierbei handelt es sich um einen Verstoß gemäß § 156 StGB.

An Universitäten kann dies schlimmstenfalls zur Exmatrikulation und einem Bußgeld führen. Die Kammern greifen hierbei zum Mittel dich durchfallen zu lassen.

Legal durch die Ausbildereignungsprüfung kommen – 3 Tipps

  1. Meiner Erfahrung nach haben Teilnehmer mehr Angst als nötig vor dem Unterweisungsentwurf. Der erste Schritt dem Herr zu werden ist, sich Klarheit darüber zu verschaffen, was die zuständige Stelle überhaupt möchte. Frage daher nach, welche konkreten Anforderungen an den Unterweisungsentwurf gestellt werden. Viele Kammern bieten Konzeptvorlagen, die nur noch von ihren Prüflingen ausgefüllt werden müssen.
  2. Bitte deinen Dozenten um Feedback für deinen Entwurf. Viele meiner Kollegen machen das schon – sollte dem nicht der Fall sein, fordere dir die Hilfe ein. Dein Dozent wird mit Sicherheit genau wissen, was die Kammer fordert – und was nicht in das Konzept gehört und kann dir wertvolle Tipps geben.
  3. Lass dich im Netz inspirieren – aber schreibe nicht ab! Im Internet gibt es zahlreiche Unterweisungskonzepte zum Herunterladen. Du kannst dir natürlich anschauen, wie andere die Aufgabe gelöst haben. Wenn du das Ganze dann auf deine Art umsetzt, ist das völlig legitim!
  4. Wir haben auch eine kostenpflichtige Schritt-für-Schritt-Anleitung und helfen dir kostenfrei im Rahmen unserer Möglichkeiten hier.

Benötigst du mehr Hilfe?

  • Bereitest du dich selbst auf die Ausbildereignungsprüfung vor?
  • Besuchst du einen Vorbereitungskurs, benötigst aber dennoch Unterstützung beim Unterweisungsentwurf?

Dann schau dir unbedingt meinen Online-Kurs "Schritt für Schritt zum Unterweisungs­entwurf für die Ausbilder­eignungs­prüfung" an. Ich erkläre dir hier in 21 Lektionen, wie du einen dein Unterweisungskonzept für die AEVO Prüfung schreibst - mit Beispielen und unzähligen Tipps. 😊

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Quellen:

  1. OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 01.09.2009 – 11 U 51/08, auf https://openjur.de/u/31385.html; zuletzt abgerufen am 17. Dezember 2020
  2. OLG Düsseldorf, Urteil vom 08.02.2011 – I-20 U 116/10, auf https://openjur.de/u/149671.html; zuletzt abgerufen am 17. Dezember 2020
  3. Ghostwriting: Ist das strafbar, was ist erlaubt?, auf https://www.e-recht24.de/artikel/haftunginhalte/8221-ghostwriting-ist-das-strafbar-was-ist-erlaubt.html; zuletzt abgerufen am 17. Dezember 2020

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