Haftung der Auszubildenden

Da unser Artikel “Schadensersatz” bereits etwas in die Jahre gekommen ist, hier nun eine kleine Aktualisierung. Immer wieder beleuchten wir im Coaching die Frage, ob und wie ein Auszubildender f├╝r Sch├Ąden haften muss (oder auch nicht). In diesem Artikel schauen wir auf die aktuelle Rechtslage und geben ein paar Beispiele.

Was sagt das Gesetz?

Zun├Ąchst schauen wir in unser Berufsbildungsgesetz. Dort wird f├╝r den Berufsausbildungsvertrag geregelt, dass s├Ąmtliche Vereinbarungen, die die Haftung des Ausbildenden ausschlie├čt oder abmildert, unzul├Ąssig sind. Zudem d├╝rfen keine pauschalen Betr├Ąge zum Thema Schadensersatz vereinbart werden. Das BGB regelt in ┬ž 823 die Schadensersatzpflicht.

F├╝r den Ausbildungsbetrieb reicht meist auch schon ein Blick in die Empfehlungen der zust├Ąndigen Stelle. Als Beispiel k├Ânnt ihr euch die entsprechende Ver├Âffentlichung der IHK D├╝sseldorf anschauen.

­čĺí Zusammenfassung: Auch Auszubildende sind Schadensersatzpflichtig. Allerdings sollten alle Gegebenheiten abgew├Ągt werden. Dazu z├Ąhlen die Ausgepr├Ągtheit der sogenannten Fahrl├Ąssigkeit (leicht, mittel oder grob) oder gar ein Vorsatz. Beachte auch das es meist um jugendliche geht die Fehler machen d├╝rfen und sollen.

Ein paar Beispiele

Der Azubi verliert einen Schl├╝ssel

Schl├╝ssel verlieren

Bild von g├╝nter auf Pixabay

Die Situation: Auch Auszubildende k├Ânnen mal Schl├╝ssel des Betriebes erhalten. Was jedoch, wenn ein Schl├╝ssel verloren geht und eine T├╝r partout nicht zu ├Âffnen ist? Nat├╝rlich sollte man sich einen kompetenten Schl├╝sseldienst zu Hilfe rufen. Aber was passiert danach? Wer muss die Kosten f├╝r den Schl├╝sseldienst ├╝bernehmen oder wenn es ein Generalschl├╝ssel war, die Kosten des Austausches?

Rechtlich: Die rechtliche Situation kommt ganz darauf an, wie der Verlust zustande kam. Ist dem Azubi ein Vorsatz nachzuweisen? Handelt es sich um eine grobe oder leichte Fahrl├Ąssigkeit? Allerdings ist hier auch die Frage gestattet, ob es fahrl├Ąssig war, dem Azubi diesen Schl├╝ssel ├╝berhaupt erst auszuh├Ąndigen – vor allem einen Generalschl├╝ssel.

Eine Auszubildende im Verkauf vergrault einen Kunden

Die Situation: Ein Auszubildender (Einzelhandelskaufmann) ist pampig zu einem Kunden, der dann wutentbrannt den Laden verl├Ąsst. Der Ausbildende fordert Schadensersatz und zieht dem Azubi Geld von der Ausbildungsverg├╝tung ab.

Rechtlich: Nat├╝rlich ist es h├Âchst illegal, einfach Geld von der Ausbildungsverg├╝tung abzuziehen. Ob in dieser Situation tats├Ąchlich ein Schaden entstanden ist, muss der Ausbildende nachweisen. Pampig zu sein, muss auch nicht unbedingt ein Vorsatz sein.

Und sonst so?

Egal, was auch immer im Betrieb zu Bruch geht und wer schuld ist: Betrachte alle Umst├Ąnde – vor allem die mildernden, denn immerhin arbeiten wir in aller Regel mit jugendlichen Auszubildenden, die noch lernen und das Recht haben, Fehler zu machen. Die Aufgabe der Ausbilder ist es, p├Ądagogisch wertvoll zu agieren. Nat├╝rlich kann bei Vorsatz entsprechend vorgegangen werden, aber am besten nur nach R├╝cksprache mit der zust├Ąndigen Stelle – das verhindert meist langwierige Gerichtsprozesse.

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