So plant Ihr die RĂ€umlichkeiten eures Unternehmens gendergerecht

Huhu 😊

WĂ€hrend es frĂŒher aus gesellschaftlicher Sicht typische Ausbildungsberufe fĂŒr MĂ€dchen und Jungen gab, werden diese Grenzen immer mehr aufgeweicht. So finden sich beispielsweise immer mehr MĂ€nner in sozialen Berufen und Frauen im Handwerk. Doch dies hat auch Auswirkungen auf die Planung der RĂ€umlichkeiten in Unternehmen. Daher gehen wir in diesem Artikel der Frage nach: Was tun, wenn man Auszubildende unterschiedlichen Geschlechtes beschĂ€ftigt?

GrundsÀtzliches zu den RÀumlichkeiten in Unternehmen

Es sollte selbstverstĂ€ndlich sein, dass in gewissen Bereichen auf die einzelnen Geschlechter und deren BedĂŒrfnisse geachtet wird. Dazu zĂ€hlt nicht nur die simple Toilette, sondern auch UmkleiderĂ€ume, ein Ruheraum oder Bereitschaftsraum. Viele Unternehmen bieten auch noch einen Waschraum und eventuell eine Möglichkeit zum Duschen an. Ausbildende mĂŒssen hier vorwiegend auf die Regelungen der technischen Regeln fĂŒr ArbeitsstĂ€tten (ASR) achten. Aktuelle Versionen und Änderungen sind auf der Webseite der Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu finden. Hier ein paar Stichpunkte, die weiter unten in der entsprechenden Kategorie vertieft werden:

  • Die meisten Regelungen gelten fĂŒr Betriebe mit mehr als zehn relevanten BeschĂ€ftigten (Details in den Abschnitten unten). Mit neun oder weniger soll eine zeitliche Nutzung fĂŒr die Geschlechter bestimmt werden.
  • UnabhĂ€ngig von diesen Vorschriften sollte immer das Wohl aller Geschlechter berĂŒcksichtigt werden.
  • PausenrĂ€ume sind nicht notwendig, wenn kein Publikumsverkehr gegeben ist. Allerdings darf auch keine Ablenkung in der Pause erfolgen (berufliche Telefone, E-Mails etc.).

UmkleiderÀume

Falls sich deine Auszubildenden umziehen mĂŒssen und ein Umkleideraum zur VerfĂŒgung steht, muss auch hier auf einige Regeln und Vorgaben geachtet werden. Laut ASR sind UmkleiderĂ€ume nach Geschlecht zu trennen oder so einzurichten, dass die PrivatsphĂ€re geschĂŒtzt wird. DafĂŒr gibt es unterschiedliche AnsĂ€tze:

  • RĂ€umliche Trennung: Am einfachsten ist natĂŒrlich die rĂ€umliche Trennung, also das Einrichten von UmkleiderĂ€umen fĂŒr jedes Geschlecht. Somit sind die Anforderungen der Vorgaben erfĂŒllt.
  • Kabinen: Fall genug Platz und Budget zur VerfĂŒgung steht, kann auch eine zusĂ€tzliche Kabinenlösung innerhalb eines Raumes erfolgen. Dann darf der Umkleideraum auch fĂŒr alle Geschlechter genutzt werden, wichtig ist hierbei, dass alle Kabinen eine verschließbare TĂŒre besitzen.
  • Raumteiler: Rechtlich auch okay sind sogenannte Raumteiler. Gerade dann, wenn Einzelkabinen oder mehrere UmkleiderĂ€ume nicht umsetzbar sind. Hierbei wird ein Raum sinnvoll mit einer durchgehenden und blickdichten Wand in zwei Teile geteilt.

UnabhÀngig vom Umkleideaspekt haben viele solcher RÀume zusÀtzliche EinrichtungsgegenstÀnde wie Umkleidespinde, FernsehgerÀte, Tische oder Notfallkoffer.

❗Wichtig: Pro vier BeschĂ€ftigte muss eine Sitzgelegenheit zur VerfĂŒgung gestellt werden.

Ruhe- und BereitschaftsrÀume

BereitschaftsrĂ€ume werden in der Regel auch zum Schlafen verwendet, wohingegen RuherĂ€ume zum FĂŒĂŸe hochlegen oder ausruhen gedacht sind. Genauere Vorgaben sind im ASR A4.2. zu finden. Hier die Unterschiede:

  • RuherĂ€ume: Wie der Name schon sagt, ist der Ruheraum hauptsĂ€chlich fĂŒr Mitarbeiter, die mal die Beine hochlegen mĂŒssen. Dies gilt nicht nur fĂŒr Auszubildende, die schwanger oder stillend sind, sondern auch bei besonderer Belastung oder nach einem Arbeitsunfall (sofern es kein Notfall ist. Im Notfall immer 112 anrufen!). RuherĂ€ume sind nicht fĂŒr die Masse ausgelegt, daher sollte ein Ruheraum immer nur fĂŒr eine Person zugĂ€nglich und rĂ€umlich getrennt sein. Um die PrivatsphĂ€re zu schĂŒtzen, darf der Innenraum des Ruheraumes nicht einsehbar sein. Die TĂŒr muss geschlossen werden können, in manchen FĂ€llen auch abschließbar sein.
  • BereitschaftsrĂ€ume: Im Gegensatz zum Ruheraum ist der Bereitschaftsraum immer mit einer Schlafmöglichkeit auszustatten. Bei gleichgeschlechtiger Belegung sind auch mehrere Betten in einem Bereitschaftsraum erlaubt.

WaschrÀume, Duschen und Toiletten

Um die PrivatsphĂ€re der Auszubildenden zu schĂŒtzen, ist es erforderlich, Duschen separat fĂŒr jedes Geschlecht zur VerfĂŒgung zu stellen. Wenn das nicht möglich ist, muss der Duschraum zwingend abschließbar sein.

Da WaschrĂ€ume in der Regel nicht dazu gedacht sind, sich komplett oder in erheblichem Maße auszuziehen, ist eine gemeinsame Nutzung erlaubt. Befindet sich eine Duschkabine oder Toiletten im Waschraum, muss sichergestellt werden, dass eine zeitlich getrennte Nutzung möglich ist.

❗ Achtung: Auch ToilettenrĂ€ume mĂŒssen fĂŒr jedes Geschlecht separat eingerichtet werden. Ein SanitĂ€rraum ist laut ASR A4.1. fĂŒr gemischte Geschlechter ist nur bei Betrieben mit bis zu neun Mitarbeitern erlaubt und auch nur dann, wenn die zeitlich getrennte Nutzung gewĂ€hrleistet werden kann.

Toiletten, die von weiblichen Auszubildenden genutzt werden, muss ein HygienebehĂ€lter mit Deckel vorhanden sein. Wenn weibliche Auszubildende also alle Toiletten nutzen könnten, mĂŒssen in allen Toiletten diese BehĂ€lter aufgestellt werden.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus dem Handwerk

Wie du vielleicht schon irgendwo auf Ada2go gelesen hast, habe ich (Katja) meine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb absolviert. Da es eine kaufmĂ€nnische Ausbildung war und getrennte ToilettenrĂ€ume vorhanden waren, konnte ich die Ausbildung problemlos antreten. Als unser Unternehmen dann allerdings erstmalig eine weibliche Auszubildende in der Produktion ausbilden wollte, wurde der Betrieb dazu verpflichtet, die Produktionshallen um einen Wasch- und Umziehraum fĂŒr Frauen zu erweitern. Ich bin froh, dass unser Chef die Kosten auf sich nahm – denn der Auszubildenden folgten noch viele großartige Frauen, die das Unternehmen bis heute unterstĂŒtzen. 💜

Liebe GrĂŒĂŸe
Katja

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